Risiken und Nebenwirkungen der Psychotherapie

In der Psychotherapie gibt es verschiedene Ansätze für die psychische Entwicklung des Menschen. Gehe ich von dem Modell von Erickson aus, dann durchläuft die Entwicklung in den unterschiedlichen  Lebensphasen unterschiedliche Anforderungen.

Das Stufenmodell der psychosozialen Entwicklung   beschreibt 8 Lebenskrisen (Erikson 1966, S. 214-215):

1. Stadium - ca. 1. Lebensjahr - Säuglingsalter: Ur-Vertrauen vs. Ur - Misstrauen

2. Stadium - ca. 2-3 Lebensjahr - Kleinkindalter: Autonomie vs. Scham und Zweifel

3. Stadium - ca. 4-5 Lebensjahr - Spielalter: Initiative vs. Schuldgefühl

4. Stadium - ca. 6- 11/12 Jahre - Schulalter: Werksinn vs. Minderwertigkeitsgefühl

5. Stadium - ca. 11/12 - 15/16 Jahre - Adoleszenz: Identität und Ablehnung vs. Identitätsdiffusion

6. Stadium - frühes Erwachsenenalter: Intimität und Solidarität vs. Isolierung

7. Stadium - Erwachsenenalter: Generativität vs. Selbstabsorption

8. Stadium - reifes Erwachsenenalter: Integrität vs. Verzweiflung

Dies bedeutet, das krisenhaftes Erleben an den Stufen des Überganges von einer niedrigeren Stufe auf eine andere höhere  Stufe zu den normalen Entwicklungen gehört.  Die bekannteste Stufe ist die Stufe 5 als Pubertätskrise.

Veränderungen  in den einzelnen Entwicklungsabschnitten, die zu krankheitswertigem Erleben führen, sind im Regelfall mit Hilfe  einer freiwilligen  therapeutischen Begleitung gut in den Griff zu bekommen.


PSYCHOTHERAPIE

Wenn bei Ihnen Symptome und Probleme in den Maße auftreten, die zu einschränkenden psychischen Beschwerden und damit zu einer Krankheit führen, haben Sie die Möglichkeit, sich für eine Psychotherapie zu entscheiden. Mit dieser Aufklärung informiere ich Sie über die Möglichkeiten, Grenzen und möglichen Nebenwirkungen von Psychotherapie. Alle Wirkungen und Nebenwirkungen können prinzipiell auftreten, jedoch bestehen Unterschiede bezüglich der Auftretenswahrscheinlichkeit zwischen einzelnen Personen und dem Umgang damit. Diese Informationen ersetzen keine Therapeuten -Klienten Beziehung.

Psychotherapie ist eine  Wissenschaft, die sich im hohen Maße damit beschäftigt, Menschen Impulse für ein eigenverantwortetes Leben zu geben. Daher besprechen Sie bitte alle Fragen, die im Rahmen einer ganzheitlichen integrativen Therapie auftreten, damit Sie umfassend über Ihre Behandlung informiert sind.

Möglichkeiten der Psychotherapie liegen darin, Lösungen für psychische Störungen und für zugrundeliegende emotionale Probleme zu erarbeiten und umzusetzen. Für diese Lösungen ist es notwendig, dass Sie sich entsprechend verändern müssen. Ohne persönliche Veränderung sind nur selten dauerhafte Lösungen möglich. Zunächst wird die Veränderung einer äußeren Situation abgeklärt. In den meisten Fällen aber, vor allem, wenn anderen Menschen beteiligt sind, ist die Möglichkeit   einer Veränderung der äußeren Umstände  gering. Somit bleibt dann nur die eigene Veränderung im Umgang mit solchen Situationen. Dies erfordert einen eigenen hohen Anteil an Veränderungsbereitschaft.

Dazu wird   zu Beginn  der Therapie  auf zur Zeit von Ihnen  erreichbaren Ziele fokussiert. Diese dann im einsetzenden  Such – und Finde Prozeß zu erarbeiteten  Ziele sind die Grundlage einer Zusammenarbeit. Dies bedeutet für die Therapie ein gemeinsames Erarbeiten der Lösungswege, die Sie dann gehen , um diese Ziele zu erreichen. Die hauptsächliche Veränderungsarbeit findet außerhalb der Therapiesitzungen im Alltag statt.

Im Rahmen dieser   Veränderungsprozesse können unerwünschte Erfahrungen auftreten, die dann genutzt werden, um wieder Informationen für den Veränderungsprozeß zu gewinnen.  So können sich die Symptome vorübergehend verschlimmern – dies tritt häufig auf, wenn Sie sich Ihren Problemen stellen und ist sogar notwendig, wenn Sie die Probleme nachhaltig verändern wollen.  Hier kann ein aufmerksamer Blick auf die Geschwindigkeit des Veränderungsprozesses und eine Verlangsamung der Geschwindigkeit hilfreich sein, damit das System, in dem Sie sich befinden, die Veränderungen wieder ausgleichen kann.

In den Beziehungen zu anderen Menschen können Veränderungen auftreten. Indem Sie sich von bestimmten Menschen abwenden und/oder neue von Ihnen erwünschte Beziehungen eingehen,   kann dies zu verstärkten Auseinandersetzungen führen.

Durch Ihre Veränderungen kann es auch zu neuen Problemen kommen, weil neue Ambivalenzen auftreten, und neue Bereiche des Lebens erfahren werden. Dies führt dann häufig dazu, neue Ressourcen zu finden oder zu entwickeln, um  auf veränderte Umstände eine neue flexible Anpassungsmöglichkeit  zu finden. Diese Entwicklung kann bei entsprechendem Wunsch auch Gegenstand der Therapie sein.

Beim Auftreten von unerwünschten Wirkungen informieren Sie mich bitte in der nächstmöglichen Sitzung.

Insbesondere wenn Sie in der Vergangenheit bereits Suizidgedanken oder Suizidimpulse hatten oder in der in der Familie oder bei anderen engen Familienangehörigen (Eltern, Geschwister) Depressionen oder andere psychische Störungen bestehen oder bestanden, kann es zum Wiederauftreten oder Auftreten solcher Störungen kommen. Eine akute Suizidalität kann zu einer Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus führen.http://www.klinikum-karlsruhe.com/medizin/psychiatrische-kliniken/klinik-fuer-psychiatrie-und-psychotherapeutische-medizin/allgemeine-vorstellung.html

Wenn Sie aktuell und/oder in der Vergangenheit von einer Suchtstörung betroffen sind, kann es zu einer Verstärkung des Verlangens nach einem Suchtmittel kommen. Es ist dann notwendig, dass Sie diese Frage dann in die Therapie einbringen, denn ein Suchtmittelkonsum gefährdet den Therapieerfolg.

Im Notfall stehen Ihnen die Psychiatrischen Krankenhäuser rund um die Uhr zur Verfügung.http://www.klinikum-karlsruhe.com/medizin/psychiatrische-kliniken/klinik-fuer-psychiatrie-und-psychotherapeutische-medizin/allgemeine-vorstellung.html

Eine psychotherapeutische Bearbeitung Ihrer Probleme bietet bei entsprechender Veränderungsmotivation und Mitarbeit eine hohe Chance für eine Verbesserung der Symptomatik. Eine Garantie für einen Therapieerfolg kann aber nicht gegeben werden. Wünschenswert wäre, wenn die  gefundenen Lösungswege flexibel auf weitere neu auftretende Anforderungen auf dem weiteren Lebensweg angepasst werden können.
 Es gibt  allgemeine  Hinweise darauf, dass bei der überwiegenden Anzahl   der Patienten (75%) eine stabile Verbesserung im Sinne eines Therapieerfolges erwartet werden kann. Keine Veränderung findet in ca. 10 % der Therapien statt. Bei ca. 15 % kann eine Verschlechterung stattfinden. Die Gründe hierfür sind nach den Studienergebnissen unterschiedlich. Teilweise liegt es am Verhalten der Patienten (Veränderungsmotivation und Mitarbeit an der Veränderung)und teilweise am Verhalten des Therapeuten.
Bei fehlender Veränderungsmotivation und fehlender Mitarbeit ist aufgrund der besonderen Situation in der Therapie die Befähigung des Patienten  Einsicht in die zugrundeliegenden Muster zu gewinnen eingeschränkt und daher eine erfolgreiche Therapie kaum möglich.
Auch die Qualität der Arbeitsbeziehung zwischen Therapeut und Patienten wirkt sich auf das Ergebnis einer Therapie aus. Daher bin ich an einer guten Zusammenarbeit mit Ihnen interessiert. Aus diesem Grunde gibt es die probatorischen Sitzungen zu Beginn einer Psychotherapie , um die Passung zwischen Patient/in und Therapeutin herauszufinden. Falls für Sie in der therapeutischen Beziehung Schwierigkeiten auftauchen, sprechen Sie diese unbedingt an, damit die Arbeitsbeziehung optimiert werden kann. Ihre Therapeutin  weist Sie gegebenenfalls auch darauf hin. Die Therapie ist ein geschützter Rahmen, in dem neue Verhaltensweisen erprobt werden können, die dann in den Alltag umgesetzt werden sollen. Nur in  diesem Sinne wird  der Wachstums- und Entwicklungsprozeß des Patienten in der Therapie unterstützt. Die therapeutische Beziehung unterscheidet sich daher von den Alltagsbeziehungen des Patienten, weil sie  einseitig  nur auf die Förderung der Ziele des Patienten gerichtet ist. Weiter darüber hinausgehende Wünsche können und dürfen  nicht im Rahmen einer Therapie abgedeckt werden.

Wenn jemand Gesundheit sucht, frage ihn erst, ob er auch bereit ist,
zukünftig alle Ursachen seiner Krankheit zu meiden; erst dann darfst Du ihm helfen!“ 
Sokrates